Kavalan Podium – Whisky aus Taiwan

Kavalan Podium im Glencairn-Glas

Kavalan Podium im Glencairn-Glas

Ich glaube nur die wenigsten werden an Whisky denken, wenn jemand Taiwan erwähnt. Die Kavalan Distillery ist die erste (und wohl einzige) Destillerie in Taiwan, die Whisky produziert. Dabei ist sie in den letzten Jahren immer bekannter geworden, hat immer mehr Preise gewonnen.
Von Jim Murray, der Whisky-Papst, wurde 2014 explizit der Kavalan Podium hochgelobt. Den habe ich probiert.

Degustation

Kavalan Podium

Ein Single Malt, nicht gefärbt und nicht kühlgefiltert, daher auch mit schönen 46% Alkoholgehalt abgefüllt. Im Glas sieht er eher unscheinbar aus, von der Farbe her unspektakulär.
Es handelt sich um ein No-Age-Statement und er wird wohl eher jung sein. Fairerweise muss man auch sagen, dass es in Taiwan so warm ist, dass der meiste Whisky, anders als im kalten Schottland, verdunsten würde, wenn man ihn länger liegen lässt.
Laut Beschreibung lag er in Fässern aus Amerikanischer Eiche, sowohl in Refill-Fässer als auch in Neuen.

Nase

In der Nase ist mein erster Eindruck: Boah, ist der süß! Und fruchtig!
Die Süße ist angenehm gesetzt, so wie Wald- oder Kräuterhonig. Der Kavalan Podium riecht exotisch, ich entdecke Spuren von reifen Bananen. Wenn man nicht so tief einatmet, kitzelt an der Nasenspitze der Geruch von Papaya. Das Fass meldet sich mit leichter Eiche, Vanille und Ḱokosnuss. Es liegt ein Geruch in der Nase, der an vergorene Früchte erinnert.
Dazu steigt etwas für mich unangenehmes auf. Vermutlich der Alkohol, der Assoziationen nach Lösungsmittel wachruft. Wenn man den Whisky kurz atmen lässt, wird es weniger schlimm.

Ich würde ihn gerne probieren, aber jedesmal, wenn ich dazu ansetze, bleibe ich mit der Nase wieder über meinem Glas hängen. So hab ich geschätzt 30 Minuten mit dem Nosing verbracht.

Geschmack

Im Mund kam mir der Antritt süß-sauer vor, aber das gibt sich sofort. Danach schmeckt man das Fass und eine gewisse Trockenheit bildet sich, die später in leichte Bitterkeit umschlug.
Nichts desto trotz hab ich ein eher leichtes Mundgefühl, der Alkohol prickelt angenehm auf der Zunge.
Im Mund kam er mir nicht so süß wie in der Nase vor, trotzdem schmecke ich Tropenfrüchte an den Wangen. Der Whisky regt den Speichelfluss an und verabschiedet sich während er wärmend den Hals hinunter fließt.

Abgang

Im Abgang wurde er immer süßer und fruchtiger. Die Bitterkeit war nur beim ersten Schluck vorhanden, danach und beim Test am folgendem Tag war von der Bitterkeit nichts zu schmecken.
Es fühlte sich trotzdem trocken an und hat mich an in Sherry-Fässern gereiften Whisky erinnert. Vielleicht lag es an den frischen Fässern. Nach ca. 10 Minuten war der Einfluss der Eiche so gut wie weg. Zurück blieb der Geschmack von Fruchtbonbons, der sich für mehrere Stunden hielt.

Im Glas blieb eine fruchtige Note zurück, die mich an Schokolade und Kakao erinnerte.

Insgesamt finde ich den Kavalan Podium einen starken Whisky, den man durchaus mal probieren kann. Allerdings muss man die Süße mögen. Für die Leute, die nur die rauchigen Schotten von den Inseln trinken, mag er zu lieblich sein.

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